Der erste Advent

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Bildquelle: Die Sendung mit der Maus

Advent
©  Vicco v. Bülow alias Loriot

Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
Schneeflöcklein leis herniedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
läuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann ein warmes Licht.

Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
So kam sie mit sich überein:
am Niklasabend muß es sein.

Und als das Rehlein ging zur Ruh‘,
das Häslein tat die Augen zu,
erlegte sie direkt von vorn
den Gatten über Kimm und Korn.
Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase
zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase
und ruhet weiter süß im Dunkeln,
derweil die Sternlein traulich funkeln.
 
Und in der guten Stube drinnen
da läuft des Försters Blut von hinnen. 

Nun muß die Försterin sich eilen,
den Gatten sauber zu zerteilen.
Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen
nach Waidmanns Sitte aufgebrochen.
Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied
(was der Gemahl bisher vermied) -,
behält ein Teil Filet zurück
als festtägliches Bratenstück
und packt zum Schluß, es geht auf vier,
die Reste in Geschenkpapier.

Da tönt’s von fern wie Silberschellen,
im Dorfe hört man Hunde bellen.
Wer ist’s, der in so tiefer Nacht
im Schnee noch seine Runde macht?
Knecht Ruprecht kommt mit goldnem Schlitten
auf einem Hirsch herangeritten!
He, gute Frau, habt ihr noch Sachen,
die armen Menschen Freude machen?

Des Försters Haus ist tiefverschneit,
doch seine Frau steht schon bereit:
Die sechs Pakete, heil’ger Mann,
’s ist alles, was ich geben kann.
Die Silberschellen klingen leise,
Knecht Ruprecht macht sich auf die Reise.
Im Försterhaus die Kerze brennt,
ein Sternlein blinkt – es ist Advent.

Ohje, mir graust es vor der Adventszeit.

Da packt jeder seine Spendendose aus.

Da wird mächtig auf die Tränendrüsen gedrückt.

Da steht Theatralik in den Nachrichten, in facebook und im Internet hoch im Kurs auf dem Weg zum Leserfang.

Da wird versucht noch schnell die Welt zu retten.

Da hat keiner Zeit, weil man unbedingt noch alles bis zum Jahresende erledigt haben will.

Da werden massenweise Geschenke gekauft.

Da mache ich nicht mit!

Wir spenden – aber das ganze Jahr über aus Überzeugung und nicht aus Sentimentalität.

Wir lassen uns nicht von Weihnachtswerbung und „gewinnbringende“ Adventskalendern an jeder Ecke überrumpeln.

Wir schenken uns unterm Jahr was einem so einfällt und es gibt für die Kinder nur eine Kleinigkeit unterm Baum.

Wir haben uns sogar schon den Spass gemacht (vor der Geburt der Kids) und sind am 24.12. in einem Einkaufscenter gemütlich im Cafe gesessen während hastig Leute mit Tüten hin und her liefen. Das war sowohl belustigend als auch teilweise erschreckend anzusehen. Uns hats spass gemacht 😉

Hier ist der Weihnachtsmodus vorerst wieder beendet.

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