#Elternprotest oder eher Hebammenprotest? – Worum gehts da eigentlich? Teil I

Unter dem Hashtag #Elternprotest rufen derzeit viele Hebammen und blogs im www die Eltern zum Protestieren auf.

Sie sollen sich in eine Petitionsliste eintragen um so die Hebammen in ihrem Tun zu unterstützen.

Aber handelt es sich wirklich um ein „Hebammensterben„, wie Nestling es in dem Blogbeitrag beschreibt?

Laut Hebammenblog: Diesen „Point-of-no-Return“ haben wir Hebammen fast erreicht.

Wird hier nicht ein bißchen dramatisiert? Oder darf ich als zweifache Mutter solche Gedanken gar nicht haben?

Da ich den Berufszweig sehr schätze und für Unersetzbar halte, geht mir die jahrelange Streitsituation zwischen den Hebammen und der Gesundheitspolitik/Krankenkassen/Spitzenverbänden arg ans Herz.

Auch wenn ich keine so tollen Erfahrungen mit Hebammen machen durfte waren sie mir in manch denkwürdigen Situationen eine starke Hilfe und gaben mir Kraft.

Aber in der Petition ist lediglich von einer Sicherung der Kostenübernahme für Hebammen unabhängig vom Geburtsort und Geburtstermin die Rede!

Auf deutsch: Kostenübernahme der HAUSGEBURTEN

Also wird es erst mal kein „Hebammensterben“ geben, wenn du diese Petition NICHT unterschreibst, es sei denn du gehörst zu den 1% (ca. 10.000) der Hausgebärenden oder möchtest solidarisch handeln.

Hiermit möchte ich den Eltern erst mal die Angst nehmen, bald ohne Hebamme darstehen zu müssen.

Die Sache mit der hohen Berufshaftpflichtversicherung für den Beruf und dessen Monopolstellung steht auf einem anderen Blatt und wird sicherlich in meinem nächsten Teil zu diesem Thema aufgegriffen. Sei gespannt!

Ich wollte letztens etwas mehr über die Aktion erfahren und verstand die Aufhetzerei im Netz zu der obigen Petition nicht ganz…

Als Antwort bekam ich das. Eigentlich ganz ok.

Bei Nachfragen zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen hielt sich sie sich jedoch sehr verschlossen.

Aber jetzt kommt eine Antwort, die ich so nicht erwartete:

Die Zahlen stammten aus einer parallelen Diskussion u.a. mit Frau Skott:

Statistik hin – Statistik her

Aber du solltest einfach wissen, es steckt mehr dahinter als nur der Spruch

Ach, die armen Hebammen

Wenn du Anregungen, Hinweise oder Hintergründe zu folgendem Thema hast, kannst du gern meine nächste Folge von #Elternprotest oder eher Hebammenprotest? – Worum gehts da eigentlich? unterstützen.

Hast du die Petition unterschrieben?

Was waren deine Beweggründe dies zu tun oder auch nicht?

Teil II mit den Neuigkeiten ab 1.7.2015 gibts ab sofort hier.

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7 Kommentare

  1. Liebe Anja,

    leider verstehe ich wirklich nicht so recht, warum dich der Elternprotest so zu stören scheint. Was genau stört dich daran, dass Eltern für eine gute Versorgung vor, während und nach der Geburt durch Hebammen kämpfen?

    Es geht nämlich eben nicht allein um die Hausgeburten, wie du vermutest. Der Vollständigkeit halber daher hier noch mal meine Antwort im Twitter-Gespräch, betreffend die freie Wahl des Geburtsortes:

    Kinder haben ‏@kinderhabenblog 21. Mai
    @kellerbande_hs @mundauf @GKV_Sprecher Sie haben das Prinzip nicht verstanden. Wahlfreiheit steht ALLEN zu. Es geht nicht um Prozente.

    Es geht nämlich darum, dass wir uns unsere Rechte nicht nehmen lassen wollen. Wir wollen eine Versorgung durch Hebammen. Das bedeutet eben auch, dass ich eine 1:1-Betreuung durch eine von mir gewählte Hebamme haben kann. Diese Hebammen, die sich vor, während und nach der Geburt um mich kümmern, sind in der Regel freiberuflich arbeitende Hebammen. Das sind übrigens auch die, die Frauen in eine Klinik begleiten, wenn diese das wünschen. Die Freiberuflerinnen können sich die Geburtshilfe jedoch wegen der steigenden Versicherungsbeiträge kaum mehr leisten. Das ist schlecht, insbesondere auch, weil damit die Hebammenversorgung in Kliniken mit abnimmt, weil die festangestellten Hebammen dort dann die Arbeit der Freiberuflerinnen mit übernehmen müssen. In Bayern sind teilweise bis zu 50% der Hebammen in Kliniken Freiberuflerinnen. Diese fallen fast alle weg, wenn die Versicherung in diesem Jahr ganz endet. Und wer betreut dann die vielen Frauen, die in Krankenhäusern ihre Kinder bekommen wollen? Ohne 1:1-Betreuung fehlt es leider auch an Sicherheit!

    In dem Leserbrief einer Ärztin heißt es im Deutschen Ärzteblatt:
    „Ohne freiberuflich tätige Geburtshelferinnen hätten Schwangere schlichtweg keine freie Wahl des Geburtsortes mehr, sondern nur noch die Wahl der Geburtsklinik. Auf die Eins-zu-eins-Betreuung durch „ihre“ Hebamme, die die Schwangere und ihren Schwangerschaftsverlauf gut kennt und der die Schwangere vertraut, müssten sie darüber hinaus noch verzichten. Aus Gesprächen mit vielen Frauen weiß ich, wie „hebammenabhängig“ sie den Geburtsverlauf in einer Klinik erlebten. Es ist kein Geheimnis, dass unsere hohe Sectiorate unter anderem auch der Tatsache geschuldet ist, dass im klinischen Setting oft keine kontinuierliche Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme gewährleistet werden kann . . .“ (http://www.aerzteblatt.de/archiv/170635/Haftpflicht-Entscheidende-Qualitaetsmerkmale?src=search)

    Du siehst, es geht also nicht allein um Hausgeburten. Insgesamt ist es jedoch eine wichtige Sache, auch für die freie Wahl des Geburtsortes zu kämpfen. Die Vorhaben des Spitzenverbandes der Krankenkassen sehen vor, dass Schwangere, damit die Kassen die Kosten für die Hebamme übernehmen, ab errechnetem Geburtstermin (ET) +1 oder +3 von einem Arzt ihre Hausgeburtsoption prüfen lassen müssen. Hierfür gibt es keine medizinischen Gründe, da eine Schwangerschaft, wie du ja sicher weißt, bis zu 42 Wochen dauern kann – das ist schlicht ganz normal. Das Signal an die Frauen ist dann aber: Ab ET+1 oder +3 stimmt hier was nicht. Und kaum ein Arzt wird aus Angst vor möglichen Schadensfällen einer Hausgeburt zustimmen. Sollte doch mal etwas passieren, auch wenn das sehr sehr selten ist, würde das auf den Arzt zurückfallen. Ich möchte als Frau jedoch weiterhin das Recht haben, selbst zu entscheiden ob ich ein angebliches Risiko eingehe. Die meisten Kinder halten sich nicht an den errechneten Geburtstermin (und meist ist der ja auch ungenau berechnet). Nun reicht es wiederum nicht, zu sagen: Dann sollen die Hausgeburts-Muttis die Kosten eben selber tragen. Denn diese werden gar keine Hebamme mehr finden, selbst wenn sie sie selbst bezahlen würden. Welche Hebammen leisten sich die Versicherung noch und gehen zudem das Risiko ein, im Schadensfall von der Versicherung verklagt zu werden, wenn ohnehin immer weniger Frauen die Geburt bezahlt bekommen und wenn immer mehr Angst verbreitet wird, eine Geburt sei bereits einige Tage nach ET gefährlich?

    Es geht hier um viel viel mehr als um Hausgeburten: Es geht darum, dass wir darum kämpfen, wieder als normale Schwangere und normale Gebärende behandelt zu werden und nicht als „Risikopatienten“ und als „womögliche Schadensfälle“.

    Und nun, da du ja auch gerne Zahlen und Beweise haben möchtest, möchte ich dir einige Quellen nennen:

    Die QUAG-Studie von 2011 zeigt, dass außerklinische Geburten (solange natürlich Risikoschwangerschaften oder auch Frühgeburten ausgeschlossen werden, aber das sollte ja klar sein), genauso sicher sind wie Klinikgeburten und sogar deutlich häufiger verletzungsfrei ausgehen: http://quag.de/downloads/VergleichGeburtenGKV-SV.pdf

    Die Pressemitteilung des Spitzenverbandes der Krankenkassen von 2011 bestätigt dies: http://www.gkv-spitzenverband.de/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_2019.jsp

    Was genau das Problem mit den steigenden Versicherungskosten ist und warum es deshalb wirklich bald viel zu wenige Hebammen geben wird, kannst du z.B. hier nachlesen: https://www.hebammenverband.de/aktuell/pressemitteilungen/pressemitteilung-detail/datum/2014/12/02/artikel/haftpflichtpraemien-fuer-hebammen-steigen-2015-erneut-massiv-an/

    Wie Geburten leider oftmals aussehen können, wenn man sich darauf verlässt, dass es in einer Klinik ja bestimmt am sichersten zugehen wird, beschreibt Bloggerin Anja eindrücklich in diesem Artikel: http://www.zockt.com/vonguteneltern/?p=4373

    Abschließend möchte ich sagen, dass es mir wirklich leid tut, dass du schlechte Erfahrungen mit Hebammen gemacht hast. Eigene Erfahrungen sollten dich jedoch trotzdem nicht dazu verleiten, von dir auf andere zu schließen. Insgesamt macht es mich ehrlich gesagt ziemlich ratlos, warum nun eine Frau hier gegen andere Frauen spricht – sollten wir uns nicht lieber solidarisch verhalten? Schließlich wollen wir doch alle sichere Schwangerschaften und Geburten von gesunden Kindern.

    Wenn du das nächste Mal etwas über unseren Protest erfahren möchtest, dann frag uns doch am besten einfach direkt – und das am besten möglichst vorurteilsfrei. Wir erklären dir gerne ganz genau, wofür wir kämpfen. Provokationen sind einfach der falsche Weg und führen dann manchmal auch zu dementsprechenden Antworten.

    Herzlich
    Sophie

    Gefällt 1 Person

    • Schön, daß du extra einen Blogpost geschrieben hast. Schade, daß du Angst vor einer Verlinkung meines Blogs hast.

      Vielen Dank für dein Zugeständnis in deinem langen Bericht:

      „Wahr ist: Das Unterschreiben einer Online-Petition hat in der Tat keine direkten Auswirkungen auf Hebammen. Keine Hebamme wird nach geleisteter Unterschrift tot umfallen oder das Elixier des Lebens frei Haus geliefert bekommen“

      Genau um diesen einen Satz geht es mir – um Aufklärung und Ehrlichkeit.

      Solidatität hat damit nichts zu tun. Blind solidarisch zu sein ist dumm!

      Lg

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