#Adventsgast Tag 10 oder wie kam es zur Maria-Josef-Krise

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Weihnacht 

Leuchtender Stern
in der Nacht 
hat sie zu dem 
Kind gebracht.
Hin zum König
in einem Stall 
nirgendwo 
und doch
überall.
Ochs und Esel
halten sanft
die Wacht –
zarter Beginn
einer Weihenden
Nacht.

© Roswitha Bloch 

Mein zehnter Adventsgast ist die liebe Rosa von Rosas Welt.

Thematisch dreht sich bei ihr alles um ihre Welt, und sie ist schwer bemüht, sie so zu machen, wie sie ihr gefällt. Kurzum: es dreht sich hier um Geschichten und Gedanken einer Frau im besten Alter, was in Rosas Fall der Jahrgang ’73 ist. Sie leitet einen kleinen Familienbetrieb mit dem Hauptziel, mit drei Männern (Jg. ’71, 2008 +2010) in einem geregelten Chaos zu versinken. Man darf sie gerne Rabenmutter nennen, denn 1. mag sie diese Tiere und 2. den Beruf, den sie die halbe Woche ausübe: Hinter Kulissen gucken, Menschen kennenlernen, schreiben. In einem Wort Journalistin.

Du findest Rosa auch in Twitter.

Viel Spaß.

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Eine Extraportion Heu für den Esel
Oder auch: Die Maria-und-Josef-Krise

Es war das erste Mal. Ich war etwa 4 oder 5 Jahre alt und durfte ins Kino. Also Kino, das hieß ein richtiger Ausflug. Nach Düsseldorf. Mit meiner großen Schwester und ihrem Freund. Ein Abenteuer.

Dafür muss man wissen, dass meine große Schwester 14 Jahre älter ist als ich und schon Auto fuhr. Also ab mit den beiden in die große Stadt. Adventszeit in Düsseldorf, das hieß, alles war erleuchtet. Nicht so Blink-Blink wie heute. Eben Weihnachtsdekoration der 70er Jahre, Tannengirlanden mit Glühbirnen dran. Tannensterne mit Glühbirnen dran. Jede Menge zum Schauen eben, allein schon auf dem Weg zum Kino.

Ich weiß nicht mehr, ob ich aufgeregt war. Wenn ich mir heute meinen Großen ansehe, der mir in diesem Punkte sehr ähnlich ist, bin ich sicher: Ich war aufgeregt, habe vermutlich heimlich Daumen gelutscht, um mich zu beruhigen.

Ob es das Kino heute noch gibt – keine Ahnung. Und später kam es mir auch gar nicht mehr so groß vor, doch bei meinem ersten Besuch fand ich es beeindruckend. Es war riesig, mit rotem Teppich und Kartenverkäuferinnen hinter Glaskassen. Endlich saßen wir auf diesen klappbaren Stühlen und warteten auf den Beginn des Films.

Es würde gleich noch eine Pause geben, ein Eisverkäufer würde durch die Reihen gehen und ich würde mir ein Eis aussuchen dürfen, hatte meine Schwester mir versprochen.

An den Eisverkäufer kann ich mich nicht erinnern, auch wenn meine Schwester heute noch schwört, ich hätte Eiskonfekt zur Beruhigung bekommen. Was aber wirkungslos war. Denn noch bevor der Film -Dschungelbuch übrigens – begann, konnte mich nichts auch nur irgendwie beruhigen. Ich weiß bis heute nicht, wie meine Schwester und mein heutiger Schwager es geschafft haben, dass ich das Dschungelbuch überhaupt geguckt habe. Denn vor dem Hauptfilm und vor dem Eisverkäufer kam meine persönliche Maria-und-Josef-Krise. Mein Esel-Trauma. In Form eines kurzen Vorfilms.

Ein Zeichentrickfilm, liebevoll gezeichnet, von dem ich gern den Namen wüsste. Aber ich habe ja nichts mehr mitbekommen, sie wissen schon. Ein Film, passend zur Adventszeit, besinnlich sollte er wohl sein. Er handelte von einem kleinen Jungen, der irgendwo zwischen Nazareth und Bethlehem lebte, und dessen bester Freund sein Esel war. Seine Familie war bettelarm, das Geld reichte nicht, um Essen für Eltern und Kinder zu besorgen, geschweige denn für den Esel. Und dann traf eben dieser Junge mit seinem Esel die hochschwangere Maria und Josef. Die beiden boten ihm Geld für den Esel, weil Maria, kurz vor der Niederkunft, den beschwerlichen Weg nach Bethlehem nicht mehr gehen konnte. Und schweren Herzens trennte sich der kleine Junge von seinem besten Freund, dem Esel.

Das war der Moment, in dem die Weihnachtsgeschichte bei mir einen großen Knacks bekam. Und ich das ganze Kino zusammenschrie. „Maria und Josef sind doof“, soll ich laut Familienlegende gebrüllt haben. Und unter Tränen und Anteilnahme des gesamten Kinopublikums gefordert haben, dass der kleine Junge seinen Esel sofort wieder bekommen und trotzdem genug zu Essen für seine Familie erhalten solle. Aber die Leinwand hörte nicht auf mich. Der Esel blieb bei Maria und Josef im Stall. Ich habe weiter lauthals geweint, wollte das Kino gar verlassen.

Von dem Tag an habe ich die Krippe mit anderen Augen betrachtet.
Okay, meine Schwester hat meiner Erinnerung nach den ganzen restlichen Abend nichts anderes mehr gesagt als „dem Esel ging es gut bei Maria und Josef“, „so konnte doch die ganze Familie des Jungen gerettet werden“ und „Maria und Josef wollten dem Jungen ja helfen, ihm nichts Böses tun“. Und das unzählige Male.

Irgendwann habe ich Maria und Josef verziehen. Aber der Esel in der Krippe bekommt bis heute immer noch besondere Aufmerksamkeit. Und wenn es nur eine Extraportion Heu ist…

Eine wunderschöne Vorweihnachtszeit mit aufregenden, besinnlichen und aufmerksamen Momenten wünscht Euch

Rosa

Vielen 💖lichen Dank an Rosa für die Extraportion Esel 😉

Du hast Lust auf weitere Adventsgäste bekommen?

Eine Zusammenfassung aller #Adventsgast-Beiträge findest du hier.

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