Tipps vom Elternberater und Konfliktcoach Hans-Jürgen Gaugl bei brisanten Fragen zum Elternstreit mit Kindern

 

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Zeige mir ein Ehepaar, das sich brüstet, nie Streit zu haben, und ich zeige dir, wie es bei den Turteltauben ums Hirn bestellt ist.

Unbekannt

Mag. Hans-Jürgen Gaugl ist Jurist und akademisch ausgebildeter Mediator, Elternberater und Konfliktcoach. Als solcher konnte er bereits vielen Familien helfen, aus unerträglich gewordenen Belastungen durch eskalierte Konflikte wieder herauszufinden. Und damit Kindern helfen, ihr Recht auf einen liebevollen Zugang zu beiden Elternteilen auch nach einer Trennung zu wahren. 

In einer vor kurzem beendeten Buchverlosung in diesen Blog konnten Fragen zum Thema „wenn Eltern sich streiten“ gestellt werden. 

Herr Gaugl persönlich hat die Fragen per Kommentarfunktion unmittelbar beantwortet.

Nun freue ich mich über die vielen Fragen und deren ausführlichen Antworten.

Was mich direkt interessieren würde, wäre folgende Frage:
Wie kann ich als Außenstehender in einem Elternstreit schlichten oder mich verhalten, damit die Streitigkeiten eines Paares nicht zu Lasten der Kinder gehen? -Tobias

Hallo Tobias,

vielen Dank für Deine spannende Frage. Eine Frage, von der ich mir persönlich wünsche, dass ganz viele Menschen sich mit ihr beschäftigen – denn da kann man wirklich soooo viel dabei helfen, dass Konflikte nicht unnötig angeheizt werden. Es gibt da nämlich im klassischen Konfliktverlauf den entscheidenden Moment, wo sich die beiden im Streit steckenden Menschen Verbündete suchen – und genau da kann ich als Freund – ohne es zu merken – enorm viel lenken: stimme ich mit ein in die bereits durch eine Brille gesehenen und geschilderten Vorkommnisse und bestärke blind darin, dass man sich das alles nicht gefallen lassen dürfe – oder höre ich zu und rege an, die Episoden, welche zu Verletzungen geführt haben, auch von einer anderen Seite zu sehen …

Aber nun zu Deiner konkreten Frage, der ich ja auch einige Seiten im Buch gewidmet habe: das um und auf ist Deine Bereitschaft, zuzuhören. Beim Zuhören können Fragen sehr hilfreich sein: damit zeigst Du einerseits das Interesse, es wirklich verstehen zu wollen, was gerade so belastet, auf der anderen Seite beginnst Du damit bereits, Deinem Gesprächspartner zu helfen: er oder sie kann da bereits beginnen, vielleicht übersehene Aspekte auch zu bedenken. Ein weiterer ganz wichtiger Punkt ist, dass Du verzichtest, zu urteilen: stimmst Du in das bereits getroffene und belastende Urteil ein, so wirst Du damit nämlich nur den bereits eingetretenen Tunnelblick verstärken – und triffst Du ein anderes Urteil, so kann es passieren, dass damit ein jäher Gesprächsabbruch einhergeht. Also bitte nicht hinreissen lassen zu Aussagen wie „Ja, er ist aber echt ein Arschloch“ oder „Da gebe ich Dir Recht, die hat ja nicht alle Tassen im Schrank“. – auch wenn es Dir noch so sehr auf der Zunge liegt und Du förmlich spürst, dass darauf gewartet wird. Es würde nur kurzfristig helfen – und schon bist Du selbst in den Schützengraben an der Front gegen den anderen Elternteil zugeordnet und findest da kaum mehr raus – und kannst auch kaum mehr zur Deeskalation beitragen. Wecke einfach Überlegungen dazu, was als wirklich wichtig gesehen wird, was der größte Wunsch ist, was man selbst dazu beitragen kann, … Damit nimmst viel Pulver raus aus dem Konflikt – und öffnest die Türen, über die verschiedenen Möglichkeiten nachzudenken, wie man mit der Situation umgehen kann.

Im besten Fall wirst von beiden das Vertrauen genießen: dann geht es darum, dass Du die „Allparteilichkeit“ wahrst: lass Dich auf keine Seite ziehen – denn Du stehst auf beiden Seiten und willst beide verstehen. Lenke die beiden dann, wie oben beschrieben, dorthin, dass sie darüber sprechen, welche Krisen sie schon gemeistert haben und was ihnen dabei geholfen hat (man nennt das die 9-Felder-Gesprächsführung, bei welcher Erinnerungen an Probleme der Vergangenheit mit eigenen Ressourcen zu Lösungen geführt haben, was in Gegenwart und Zukunft hilfreich sein kann). Durch Deine Gesprächsführung lernen die beiden, sich wieder zu konzentrieren auf das, was wirklich gesagt wird – auf das, was den anderen wirklich ausmacht – und was man ja eigentlich am anderen schätzt und schon viel zu lange nicht mehr gesagt und gehört hat. Du bestimmst das Tempo, Du erteilst und entziehst das Wort, denn Du willst ja alles verstehen. Damit nimmst ebenfalls viel Pulver raus aus dem Konflikt, da Du entschleunigst: immerhin wollen beide ja höflich zu Dir sein – und damit bringst Du beide dazu, einander wieder mal zuzuhören, da sie ja mit anhören, was der beziehungsweise die andere Dir erzählt.

Eine sehr hilfreiche Frage an einer Stelle, wo beide bereits ein wenig „runtergekommen“ sind ist die: „Wenn ich Euer Kind jetzt fragen würde, was es sich von mir wünscht, dass ich Euch dazu bringe: was wäre das?“ Damit kommst dann rasch auf Gemeinsamkeiten – auf welchen aufgebaut werden kann. Arbeite da vielleicht auch mit Familienfotos, wo beide mit ihrem glücklichen Kind drauf sind …

Je nachdem, wie bewandert Du bist in Geduld, Einfühlungsvermögen und  Kommunikationstechniken wirst Du auch höher eskalierte Streits auf diese Weise schlichten können. Fühle aber bitte auch unbedingt in Dich selbst hinein: sobald Du merkst, dass dieser Streit „etwas mit Dir macht“ – etwa alte Wunden in Dir selbst aufreisst – stoppe unbedingt und hole Dir jemanden, mit dem Du Dich selbst aussprechen kannst über diese Erfahrung. Das Paar schick dann bitte zu einem Mediator. Letzteres empfiehlt sich generell für Streits, bei welchen die beiden es nicht mehr ertragen können, miteinander in einem Raum zu sitzen. Auch wenn bereits massive Drohungen gefallen sind würde ich dringend empfehlen, dass die beiden zu einem Mediator geschickt werden. Ist irgendwie so wie bei einer Krankheit: wenn man merkt, sie wächst einem über den Kopf und man bekommt sie nicht richtig in den Griff, dann ist es Zeit für einen Profi.

Gutes Gelingen! Vielleicht findest ja im Buch auch das eine oder das andere Beispiel, das Dir da hilft.

Alles Liebe

Hans-Jürgen

Ich hab auch eine Frage: was können Eltern tun, nachdem es eskaliert ist? wie können sie „aufräumen“? Bauchgefühl? Kopf?

und wie können zwei Menschen am Rande ihrer Leistungsfähigkeit noch einen Kompromiss finden? wie kann da Kommunikation geübt werden?

ich bin gespannt auf die Antworten. auch auf die für die anderen Fragen! -Minulinu

Hallo Minulinu,

vielen Dank für Deine wichtigen Fragen. Du sprichst da enorm wichtige Unterscheidungen an, die über einen Konfliktverlauf entscheiden können.

Herz oder Kopf? Ui, das ist eine Frage, welche einem im Leben immer wieder begegnet. Und zu welcher es ganz viele unterschiedliche Ratschläge gibt, welche alle so vernünftig und plausibel klingen. Ich habe da immer eine ganz simple Gegenfrage: geht es eigentlich wirklich, Entscheidungen nur mit dem Kopf alleine oder dem Herzen alleine zu fällen? Ich gebe ganz ehrlich zu – ich kann das nicht. Mein Hirn besteht nämlich aus verschiedenen Zentren, welche die Natur ziemlich anfällig gebaut hat für irrationale Entscheidungen: eine der Eigenheiten ist es etwa, dass Bilder und Emotionen in einem eigenen Areal abgespeichert werden, welches von den Sinneseindrücken schneller erreicht wird als das Sprachzentrum, welches für das „logische Denken“ zuständig ist. Das ist auch der Grund, weshalb zuerst einmal Gefühle einschießen, bevor man überhaupt rational erfassen kann, worum es gerade geht. Wozu daher versuchen, Herz und Kopf auseinanderhalten? Müssen eh beide mit der Entscheidung leben – sollen sie daher auch beide die Chance erhalten, mitzureden bei der Entscheidung.

Wichtig ist es, diese Entscheidung möglichst in einem Gespräch mit dem Gegenüber zu suchen. In einem Gespräch, in welchem ich bisher übersehene Informationen erhalten kann, in welchem ich aber auch der anderen Seite die Chance gebe, sich ebenfalls einzubringen. Wichtig ist es dabei, immer in der „Ich“-Perspektive zu bleiben, wenn man über Gefühle redet. Also etwa „ich fühle mich unendlich traurig“ und keinesfalls „Du machst mich so unendlich traurig“. Wozu? Nun, alles, was in „Du“-Botschaften übermittelt wird, das löst einen Verteidigungsreflex aus – selbst wenn es den Nagel auf den Kopf trifft. Hört man es hingegen in der „Ich-Perspektive ausgesprochen an, was das Gegenüber bewegt, so fällt das Zuhören leichter und es wird eher die Bereitschaft gezeigt werden, an einer Änderung mitzuwirken.

Was das „Aufräumen“ anbelangt: ich verstehe es, wenn in Menschen das Bedürfnis aufsteigt, aufzuräumen – erlittene Verletzungen wegzubekommen. Das ist ja meist einer der wichtigsten Antriebe der Eskalation: man flüchtet, um es wegzubekommen, man prügelt auf den anderen ein, um die Erinnerung wegzubekommen durch die Genugtuung der genommenen Rache … Was aber, wenn all das nichts hilft? Die Geschehnisse nicht aufgeräumt werden können? So wie ein verbrannter Schweinsbraten nicht mehr heil wird. Hilfreich ist es, sich zwar auszutauschen über die jeweilige Sicht auf das, was passiert ist – dabei aber keine Energie dorthin zu verschwenden, etwas ungeschehen zu machen. Vielmehr geht es ja darum, die Gegenwart annehmbar zu bekommen und die Zukunft so zu gestalten, dass man frohen Mutes in sie hineinschauen kann. Eine richtig ausgesprochene Entschuldigung, die auch angenommen werden kann, wird helfen, diese Perspektive aufzubauen. Und danach das ehrliche Gespräch über die jeweiligen Bedürfnisse und die vielen Möglichkeiten, diese auch zu treffen.

Kannst Du damit etwas anfangen? Habe ich Deine Fragen für Dich beantwortet?

Ich hoffe, Du findest im Buch auch noch viele hilfreiche Anregungen.

Alles Liebe

Hans-Jürgen

 

Ich würde gerne wissen, was ich machen kann, wenn meine Partnerin immer sagt, sie ist perfekt und ich bringe das Chaos in die Familie und muss mich ändern.

Außerdem finde ich den 11. Punkt sehr gut, da es bei uns ganz oft an Wertschätzung fehlt.

LG Florian


Hallo Florian (grossstadtkueste),

danke vielmals für Deine Frage. Kurz musste ich schmunzeln, denn: ich gehe mal davon aus, dass Deine Partnerin für Dich ja tatsächlich perfekt ist – denn sonst wäre sie ja nicht Deine Partnerin 🙂

Ich bin mir aber nicht so sicher, ob Dir das auch ein Lächeln entlocken kann. Denn diese Dinge, wo einem vorgeworfen wird, in die Familie Chaos hineinzubringen, können schon ordentlich schmerzen. Immerhin haben wir mal gelernt, dass Chaos etwas Schlimmes ist – obwohl es eigentlich sehr viel Kreativität erfordert, es herbeizuführen.

Höre Deiner Partnerin bitte einmal dabei zu, was ihr in der Familie alles wichtig ist. Was sie dabei unter Chaos versteht – und was es mit ihr macht, wenn sie auf solches Chaos stößt. Ist es Unordnung im Haushalt? Ist es ein Durcheinander an Terminen mit den anderen Familienmitgliedern? Ist es ein Durcheinander bei der Lebensplanung?

Plaudert bitte miteinander. Erzählt Euch auch wieder über Euren „first day Spirit“, also die Momente, an denen Ihr Euch lieben gelernt habt. Lacht über Erinnerungsfotos, schwärmt über Eure ersten SMS und lest sie Euch wieder vor, erzählt Euch, wie ihr gerochen habt beim ersten richtigen Date. Und dann plaudert über Eure Pläne, plaudert darüber, was Euch wichtig wäre, dass es besser gelingt. Im besten Fall wird dann das „Du musst Dich ändern“ rasch verschwinden und es wird daraus die gemeinsame Suche nach Möglichkeiten, Chaos zu belassen, wo es Euch beiden als kreative Immunisierung gegen Alltagstrott gut tut, und Ordnung hineinzubekommen, wo es Euch beiden zur Erfüllung Eures gemeinsamen Zieles wichtig ist.

Wann hast Du Deiner Freundin das letzte Mal Wertschätzung entgegengebracht? Hat sie es annehmen können? Man kann auch einseitig vieles im Miteinander angenehmer gestalten – so wie man einseitig es auch sehr gut schafft, Konflikte zu eskalieren.

Vielleicht hilft es Euch, die 12 Tipps aus meinem Buch gemeinsam durchzulesen und zu überlegen, was davon ihr für Euer Leben übernehmen und als Eure Regeln an die Kühlschranktür heften wollt. Die anderen kapiteln werden da nicht ganz zutreffen – aber diese rund 100 Seiten könnten es wert sein.

Alles Liebe & genießt Euer Leben

Hans-Jürgen

  Das Paarleben kommt so durcheinander wenn Kinder kommen, wir haben mehr Konflikte als vorher und arbeiten immer an uns aber manchmal ist es schwer. Punkt 9 finde ich sehr erhellend für mich, da ich immer erwartet habe das das Verständnis auch das Einverständnis beinhaltet. Meine Frage an den Autor wäre- wie man es schafft sehr schwierige Konflikte zu lösen bevor man ins Bett geht und ohne das Kind extrem zu involvieren. Wie schafft man es ruhig und gewaltfrei zu bleiben wenn die Emotionen so überkochen? -Dani

Hallo Dani,
danke für diese Fragen, an welche wohl jede Beziehung einmal stößt: wie ist das mit dem Streiten vor dem Schlafengehen. Auch da gibt es ja sehr viele kluge Ratschläge, die ebenfalls sehr einleuchtend klingen.
Vielleicht hilft es Dir, wenn ihr Euch einmal Gedanken macht darüber, was Konflikte eigentlich sind. Ich verwende dazu als Anregung gerne die Geschichte mit dem Rohdiamanten: ein Rohdiamant sieht wenig ansehlich aus – und erst durch hartes und zugleich gefühlvolles Schleifen wird er, die richtige Technik und Liebe zum Material vorausgesetzt, zum beliebten Brillianten. Genauso können Konflikte dabei helfen, eine Beziehung erst so richtig belastbar und wertvoll zu machen. Mit dieser Grundeinstellung wird es vielleicht schon einmal gelingen, Konflikte als solche nicht mehr so lange vermeiden und aufstauen zu wollen, bis man dann so richtig explodiert.
Damit sind wir bei der Technik – wozu auch Deine eigentliche Frage gehört: darf man mit einem offenen Konflikt schlafen gehen oder nicht? Das kommt sehr darauf an, wie es Euch damit geht: könnt ihr die Ruhe dann finden? Könnt ihr wirklich schlafen? Ist es dann am nächsten Tag leichter für Euch, das Thema wieder aufzugreifen und gemeinsame Lösungen zu suchen? Dann macht es so! Es muss allerdings das Thema wieder aufgegriffen werden oder auch einvernehmlich festgestellt werden, dass es Euch beiden wohl um etwas ganz anderes gegangen sein muss und ihr Euch dann aussprecht zu dem, was Euch so in Rage gebracht hat um zu überlegen, wie ihr Euch beim nächsten Mal das Leben leichter machen könnt bei so etwas. Leidet aber auch nur einer von Euch beiden darunter, im Streit schlafen gehen zu müssen, dann vereinbart Euch bitte ein Ritual, wie diese Last abgetragen werden kann. Es muss ein Ritual sein, das für Euch beide passt – auf das ihr beide Euch freuen könnt. Euer Ritual bedeutet, nicht einfach einen Rat auftzugreifen und umzusetzen, sondern wirklich darüber sprechen, was Euch beiden gut tut. Ich kenne Menschen, die vereinbart haben, dass sie sich auf der Terasse jeden Tag noch eine halbe Stunde Zeit nehmen nachdem die Kinder zu Bett gebracht wurden für Gespräche voll gegenseitiger Wertschätzung, aber auch Offenheit zu Dingen, die sie verändern wollen – wo dann auch für Streitthemen Platz wäre; andere haben für sich als Lösung gefunden, dass der, der schwer fertig wird mit Konflikten, das alles aufschreibt in einem Brief, in dem etwas liebevolles steht, aber auch der Kummer und der Wunsch, was besser laufen kann, und der andere diesen am nächsten Tag liest und beantwortet. Findet Euer Ritual!


Wenn es wirklich sehr grundlegende und schwierige Konflikte sind, wo man echt denkt, anzustehen, dann lohnt es sich, zu einem Profi zu gehen. Mediatoren haben da eine ganze Menge Know-How, wie sie Menschen begleiten dabei, selbst zu den kompliziertesten Themen zu Lösungen hinzubegleiten im Einzelfall. Ist wie bei einer Krankheit: wenn das Fieber nicht weg will mit den bekannten Hausmitteln, dann geht man zum Arzt, um Schlimmeres zu vermeiden – genauso kann es mit Konflikten gehen und dem Besuch beim Mediator.
Ruhig und gewaltfrei bleiben, wenn die Emotionen überkochen? Ja, das scheint auf den ersten Blick eine Herausforderung. Muss es nicht sein. Denn Emotionen sind doch was Tolles: sie zeigen, dass einem das gegenüber nicht wurscht ist. Dass da noch tiefe Emotionen ausgelöst werden. Daher: Juchuuu! Jetzt ist nur die Frage, wie kann man die Emotionen so zeigen, dass auch das Gegenüber in den Jubel mit einstimmen kann und nicht in verletzender Weise ebenfalls hochgeht und ein Wort das andere ergibt – und danach sich beide fragen, ob das denn notwendig war. Und beide damit auch ihre Gefühle – damit auch die der Liebe zueinander – immer mehr wegdrücken. Das braucht ein wenig Übung: Gefühle aktiv ansprechen, Gefühle zeigen, Gefühle dem Gegenüber hinhalten wie einen Mantel, in den er hineinschlüpfen kann, um mitzufühlen und verstehen zu lernen, und nicht wie einen nassen Fetzen um den Kopf schlagen.


Ich wünsch Euch gutes Gelingen beim Aussuchen „Eurer“ Tipps aus meinen Vorschlägen.


Alles Liebe


Hans-Jürgen
P.S.: Kinder dürfen auch schon mal mitbekommen, wie man Konflikte auflösen kann – vor ihnen konstruktiv zu streiten ist daher gar nicht mal so schlecht, da sie dabei auch – je nach Alter – etwas lernen können für das eigene Leben. Dass dicke Luft herrscht bekommen sie nämlich sowieso mit – gut daher, wenn sie auch mitbekommen, wie man die wieder wegbekommen kann. Mit viel Liebe, Wertschätzung und Offenheit.

 

Meine Frage ist: wie soll man sich verhalten, wenn der andere Elternteil in einigen Situationen vollkommen falsch und schädigend (nach eigener Anschauung) mit den Kindern umgeht und man Stellung gegen den Partner beziehen muss, um die Kinder zu schützen und ihnen zu zeigen, dass man so etwas nicht gutheißt und nicht stillschweigend mitträgt. Beispiel verbale Entgleisungen, altmodische unreflektierte Erziehungsansichten etc. – Frühlingskindermama

Hallo Frühlingskindermama,

auch Dir danke ich für Deine spannende Frage.

Toll finde ich, dass Du die Wertung, der Partner hätte was „falsch“ gemacht, gleich relativierst mit der eigenen Anschauung. Ja, Menschen neigen dazu, mit ununterbrochenen Wertungen durchs Leben zu laufen was gut und was böse ist, was richtig und was falsch … Es gab sogar einmal eine Religion, den Manichäismus, die das sogar zur Lebensphilosophie erheben wollte – allerdings hat man sich davon vergleichsweise rasch wieder abgewandt, da es nur zu verstärkten Konflikten geführt hat. Denn: was für den einen ein Traumurlaub ist mit Sight-Seeing von früh bis spät, das ist für den anderen der blanke Horrors, weil er lieber den ganzen Tag am Strand liegt – jeder hat daher ein anderes „richtig“ und ein anderes „falsch“. Erst, wenn man das akzeptiert, kann es Gespräche geben, die ergebnisoffen sind, um, wenn man es so will, zu einem gemeinsamen „richtig“ zu kommen.

Was die Erziehungsmethoden anbelangt: da wird ja in den Wissenschaften grob gesprochen von drei unterschiedlichen Richtungen gesprochen: vom autoritären Stil, dem kindzentrierten und dem pragmatischen. Allein daraus erkennt man bereits, dass viele Eltern im besten Willen unterschiedliche Zugänge haben. Was durchaus für das Kind auch ein Gewinn sein kann, wenn es von klein auf mitbekommt, dass es unterschiedliche Zugänge zu Situationen geben darf. Nun, wie spricht man darüber mit dem anderen Elternteil? Es empfiehlt sich sehr, zunächst einmal gegenseitiges Verständnis (verstehen heißt hier noch nicht, auch einverstanden sein zu müssen – wir sind noch bei keiner Lösung!) aufzubauen: was willst Du für unser Kind, was ist Dir wichtig … Da wird man auch über eigene Erfahrungen reden können, wie es einem selbst als Kind ergangen ist mit den Eltern.

Dann gilt es unbedingt, Unverhandelbares außer Streit zu stellen: das Kindeswohl – dem ich einige Seiten gewidmet habe im Buch –  muss im Zentrum stehen: Gewalt gegen das Kind ist ein Tabu – und da gehört auch seelische Gewalt dazu. Die Talente des Kindes sind zu berücksichtigen. Die Bedürfnisse des Kindes …

Wenn nun am anderen Elternteil etwas beobachtet wird, das einem missfällt, dann stellt sich zunächst einmal eine wichtige Frage: missfällt es mir, weil ich sehe, dass das Kind darunter leidet, oder steckt es das Kind eigentlich sehr gut weg, ja lernt daraus sogar, sein Spektrum an Verhaltensmustern zu erweitern? In letzterem Fall kann es unter Umständen nämlich sein, dass das Missfallen eher aus einer eigenen schmerzhaften Erfahrung herrührt in der eigenen Kindheit. Hier ist also zunächst einmal sehr wichtig, sich selbst sehr gut zu kennen. Und auch mit dem Partner zu sprechen, damit dieser leichter verstehen kann, wie man tickt. Das nimmt dann vielen Situationen die Schärfe.

Sieht man wirklich, dass es das Verhalten des anderen Elternteils ist, das tatsächlich dem Kind schadet, dann würde ich unterscheiden: geht es um Gewalt – seelische wie körperliche, dann das Kind bitte liebevoll sofort aus der Situation befreien ohne den Partner vor dem Kind mit Aggression zu strafen: beim Kind bleiben, dem Kind helfen, das zu verarbeiten. Dem Kind hilft dann die rettende und liebevolle Hand mehr als die Aggression gegen den Partner. Dann allerdings ist Klartext zu reden und es sind Maßnahmen zu vereinbaren, welche solche Vorkommnisse für die Zukunft vermeiden. Handelt es sich um andere Auffassungsunterschiede im Erziehungsstil, dann könnte man in einer ruhigen Minute die Situation Revue passieren lassen und fragen: hast Du bemerkt, wie unser Kind darauf reagiert hat, als Du dies und das gemacht hast? Wie ist es Dir dabei gegangen? Was könntest Du machen, damit es Euch beiden besser geht, wenn so eine Situation wiederkommt? Ein „Ich fühle mich auch manchmal an meine Grenzen gebracht – unsere Maus kann das, Mir hilft es dann, wenn ich …“, kann da enorm hilfreich sein. In der Situation selbst kann es hilfreich sein, einzuschreiten in den aufkeimenden Disput zwischen dem Partner und dem Kind mit einem „Ich sehe, ihr habt da gerade unterschiedliche Meinungen. Vielleicht können Mama und Papa da dann ja noch darüber reden, ob wir da eine Lösung finden, was man da machen kann.“ Viele Eltern haben sich da ähnliche Sätze vereinbart, die so etwas wie eine „Auszeit“ aus dem Baseball darstellt und wo beide gut damit umgehen können, wirklich das Thema kurz beiseite zu schieben, um dann in Ruhe darüber reden zu können.

Bitte auch den Umgang mit genau solchen Konflikten als Bestandteil der Erziehung zu sehen: Kinder müssen erst erlernen, welche Methoden als hilfreich empfunden werden, eigene Konflikte zu lösen. Wenn hier immer Sanktion, ja sogar Gewalt im Vordergrund steht, dann wird das Kind das sehr rasch auch für sich übernehmen. Soll das Kind das wirklich?

Erziehung ist ein ständiger Prozess, die Herausforderungen ändern sich mit dem Alter des Kindes: bitte daher immer wieder miteinander reden; dabei auch mitteilen, was man toll findet am anderen. „Es ist so schön mit anzusehen, wie gut es Dir gelingt, unsere Kleine zu trösten. Wie machst Du das eigentlich“. „Es geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn sie Dich anhimmelt, wenn Du ihr etwas Neues zeigst.“ …

Eines bitte niemals vergessen: so wie jeder erwachsene Mensch ist auch ein Kind ein einzigartiges Individuum: der beste Ratgeber, wie man ein Kind dabei optimal begleitet, zum glücklichen Erwachsenen zu werden, ist daher das Kind selbst. Eltern sollten sich möglichst oft darüber austauschen, was sie am Kind beobachten – und wie sie den Rahmen so gestalten können, dass das Kind auf das Leben vorbereitet wird und die Freude an Herausforderungen behält.

Passt diese Antwort für Dich, liebe Frühlingskindermama?

Alles Liebe

Hans-Jürgen

 

Meine Frage wäre:
Was tun, wenn mal beide Elternteile vollkommen unterschiedliche Bedürfnisse oder Meinungen haben und es keinen Kompromiss gibt?
Z.B. wenn ein Partner Ruhe braucht und der andere immer weiter redet oder rumräumt, weil das gerade sein Bedürfnis ist.
Oder wenn für den einen Partner eine Erziehungsmethode vollkommen inakzeptabel und unerträglich ist, der andere sie aber für gut oder zumindest ok befindet? (Keine Gewalt, sondern z.B. sowas wie „Konsequenzen“ vs. Erziehung ohne Lob und Strafe) -Steffi

Hallo Steffi,
danke für Deine sehr spannenden Fragen. Das Beispiel mit den verschiedenen Bedürfnissen ist eines, das in der Tat sehr häufig auch in meiner Praxis als großes Problem empfunden wird – da gibt es in meinem Buch sogar eine Episode, die ich genau dazu schildere. Wie leicht wird daraus ein handfester Streit, welcher im besten Fall „nur“ für schlechte Stimmung über einen längeren Zeitraum sorgt, wenn man nicht gelernt hat, auch darüber reden zu können und gemeinsame Lösungen zu finden, wo es scheinbar keine geben kann.


Zunächst einmal eine mögliche Erklärung, wie es eigentlich so leicht passieren kann, dass wegen eines vielleicht von außen gar nicht so schlimmen Disputs zu dicker Luft kommt: wenn man gerade ein starkes Bedürfnis hat, zu welchem man es nicht schafft, es auch zu artikulieren und obendrein der andere es einem auch nicht von den Lippen ablesen kann oder will (sehr rasch geht man ja davon aus, dass es der andere nicht „will“, da er doch, wenn er einem liebt, das können muss 😉 ), dann wird man sich dazu Gedanken machen – die man natürlich auch zunächst einmal für sich behält. „Ja, früher, da hätte er noch darauf geschaut – heute bin ich ihm wurscht“, etwa. Damit nährt man selbst in sich jene Gefühle, die man als Verletztheit, Trauer und Wut auslösen. Das Verhalten, welches man daher an den Tag legt, wird sehr wahrscheinlich genau von diesen Gefühlen geprägt sein: man wird schnippisch, man trotzt, man beginnt vielleicht zu weinen … Der andere fängt damit unter Umständen gerade so gar nichts mit der Reaktion an. Er kennt ja diese Gedanken nicht, er kennt die getroffene Interpretation seines eigenen Verhaltens nicht, das die Gedankenspirale in Gang gesetzt hat. Er wird daher seinerseits sehr leicht in eben dieselbe Spirale hineinkippen: „Früher war sie nicht so …“. Auch er wird nun ein Verhalten an den Tag legen, welches die nun auch in ihm aufsteigenden Gefühle, die er selbst nährt mit seiner für sich getroffenen Interpretation, an den Tag legt. Selbst wenn man es dann, was weit verbreitet ist, als Paar schafft, diese Situation, die entweder von verbissenem Schweigen oder auch lautstarken Wortwechseln bis hin zu zugeknallten Türen geprägt sein kann, wieder weggeschwiegen zu haben, so wird doch in beiden ein unterbewusster Verarbeitungsprozess einsetzen. Wenn nicht miteinander darüber gesprochen wird mit ausreichend Wertschätzung, Achtsamkeit. Empathie, Resilienz und Gewaltfreiheit in der Kommunikation, dann wird nun reichen, dass eine ähnliche Situation wiederkommt – und ohne erkennbare Vorzeichen wird die miese Stimmung wieder da sein: man hat nämlich sehr wahrscheinlich die Einstellung für sich geprägt, dass vom anderen in solchen Situationen gar nichts anderes als das vermeintlich erlebte erwartet werden kann – und da wappnet man sich gleich einmal gegen die Möglichkeit, dass es einem wieder schlecht gehen muss mit den Gefühlen, die man damals in sich genährt hat …
Aber es geht ja hier nicht nur um Verständnis für die Dynamik, es geht ja darum, wie man es besser machen kann, liebe Steffi. Ich habe gute Erfahrung gemacht damit, die Menschen in solchen Situationen dazu zu ermuntern, ganz entspannt und ohne Erwartungsdruck – frei für das, was nun passieren kann – mitzuteilen, wie sie gerade die Situation, in der sie stecken, sehen. Also etwa ganz locker zu erzählen, wie stressig sie den Tag empfunden haben, wie laut etwa die Kinder waren oder die Kunden oder wie blöd der Chef wieder war –  und wie sehr sie sich nun wünschen würden, ein wenig Ruhe zu haben. Bereits dieses Erzählen (bitte in „Ich“-Form“, da ansonsten Angriffe herausgehört werden können) kann enorm viel Druck aus der Situation herausnehmen – wenn man da vollkommen erwartungsfrei bleibt. Für die andere Seite ist nun Zuhören wichtig; aktives Zuhören: wenn man merkt, man ist noch nicht ganz angekommen in der Schilderung, dann auch mal nachfragen, beispielsweise „Oh, so schlimm war es heute wieder; was genau ist denn passiert?“. Bitte hier das Wort „Warum“ unbedingt meiden – es wird nämlich als Aufforderung zur Rechtfertigung ankommen – und das wäre nicht sehr hilfreich. Wenn man nun soweit ist, dass man wirklich verstanden hat und sagen kann „ich verstehe, dass Du nun dringend etwas Ruhe brauchst“ kommt man selbst dran mit einer kurzen Erzählung, wie es bei einem gelaufen ist und dass man nun gerne die Zeit nutzen würde, um „rumzuräumen“. Wenn die beiden es nun schaffen, über Alternativen zu reden, wie denn Ruhe genossen werden kann, und wie der gerade aufkeimende Ordnungsdrang ausgelebt werden könnte, dann werden die sehr rasch auf eine Möglichkeit kommen, wo beide begeistert sagen können: ja, genau. Denn: vielleicht ist es ja für den einen eine wunderbare Ruhe, wenn er im Keller im hintersten Eck die Kiste mit den Fotos hervorkramt und zu ordnen beginnt – eine Idee, auf die er nie gekommen wäre, wenn nicht der andere gerade so einen Putzfimmel hätte, den er ausleben möchte und ebenfalls kann. Und zugleich erleben die beiden nun etwas miteinander: dass es Konsens geben kann, wo selbst ein Kompromiss undenkbar schien – und die nette Zeit im Keller bringt dann sogar Stoff für nette Gespräche wegen der Erinnerungen, der genossenen Ruhe und dem Gefühl, Ordnung gemacht zu haben und stolz zu sein darauf.
Ist das für Dich erkennbar, liebe Steffi? Am Anfang, wenn man das ausprobiert, mag es vielleicht etwas gespreizt klingen und manchmal eher Lachkrämpfe auslösen als zu Konsens führen – aber selbst so ein Lachanfall hat schon sehr viel lockerndes. Sehr rasch wird das dann aber ein vollkommen normaler Verlauf, dass man sich anhört, was der andere für Bedürfnisse hat, dass man Fragen stellt, um wirklich verstehen zu können (verstehen heißt nicht, auch einverstanden sein zu müssen!), dass man selbst auch über seine Bedürfnisse redet (derer man sich erst einmal bewusst werden muss – gar nicht so leicht) und dann einfach zunächst über Möglichkeiten nachdenkt (mindestens drei, besser fünf), bevor man vorschnell einen Kompromiss eingeht oder gar verzichtet auf eine Seite.

Was die Erziehungsmethoden anbelangt: da wird ja in den Wissenschaften grob gesprochen von drei unterschiedlichen Richtungen gesprochen: vom autoritären Stil, dem kindzentrierten und dem pragmatischen. Allein daraus erkennt man bereits, dass viele Eltern im besten Willen unterschiedliche Zugänge haben. Was durchaus für das Kind auch ein Gewinn sein kann, wenn es von klein auf mitbekommt, dass es unterschiedliche Zugänge zu Situationen geben darf. Nun, wie spricht man darüber mit dem anderen Elternteil: auch da wieder empfiehlt es sich sehr, zunächst einmal gegenseitiges Verständnis (wieder: verstehen heißt hier noch nicht, auch einverstanden sein zu müssen – wir sind noch bei keiner Lösung!) aufzubauen: was willst Du für unser Kind, was ist Dir wichtig … Da wird man auch über eigene Erfahrungen reden können, wie es einem selbst als Kind ergangen ist mit den Eltern. Dann gilt es unbedingt, Unverhandelbares außer Streit zu stellen: das Kindeswohl – dem ich einige Seiten gewidmet habe im Buch –  muss im Zentrum stehen: Gewalt gegen das Kind ist ein Tabu – und da gehört auch seelische Gewalt dazu. Die Talente des Kindes sind zu berücksichtigen. Die Bedürfnisse des Kindes … Nun wäre dann die Zeit, dass man sich einigt über die altersgerechten Grenzen, die ein Kind einfach braucht, um sich sicher entwickeln zu können. Dass man sich einigt darüber, wie dem Kind gezeigt werden kann, dass es geliebt ist – vor allem dann, wenn es einmal etwas anstellt. Wie auch Grenzen „überwacht“ werden. Da dürfen Unterschiede sein. Hilfreich kann es auch sein, sich die Frage zu stellen, was das Kind sich wohl von jedem der beiden ein Stück weit mehr wünschen würde. Da kann man beispielsweise im Gespräch einmal in die Rolle des Kindes schlüpfen und dem anderen erzählen, wie man als das eigene Kind die Begegnung mit Mama und Papa empfindet. Bitte da nicht darauf vergessen: wertschätzend verpackte Worte ermuntern dazu, gegebenenfalls etwas zu ändern – reine Vorwürfe festigen eher durch den ausgelösten Rechtfertigungsreflex. Kann man sich bildlich so vorstellen: wenn das Gegenüber gedanklich die Hände verschränkt vor der Brust, dann wird gerade darüber nachgedacht, genau zu dem Gehörten zu beharren und sich nur noch zu verteidigen. Also auch in diesem Gespräch: sich dessen bewusst sein, dass es verschiedene Methoden, verschiedene Möglichkeiten geben darf – und sich dann einigen auf jene Möglichkeit, denen beide etwas abgewinnen können ohne sich selbst verbiegen zu müssen.
Augustinus hat einmal gesagt: „Liebe – und tue dann was immer Du willst“. Sehr ähnlich ist es in der Kindererziehung: was aus Liebe passiert wird nicht zu Schmerz führen sondern vielmehr begleiten, aus Herausforderungen rauszufinden.

Erziehung ist ein ständiger Prozess, die Herausforderungen ändern sich mit dem Alter des Kindes: bitte daher diese Gespräche regelmäßig wiederholen: dabei auch mitteilen, was man toll findet am anderen. „Es ist so schön mit anzusehen, wie gut es Dir gelingt, unsere Kleine zu trösten. Wie machst Du das eigentlich“. „Es geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn sie Dich anhimmelt, wenn Du ihr etwas Neues zeigst.“ …

Eines bitte niemals vergessen: so wie jeder erwachsene Mensch ist auch ein Kind ein einzigartiges Individuum: der beste Ratgeber, wie man ein Kind dabei optimal begleitet, zum glücklichen Erwachsenen zu werden, ist daher das Kind selbst. Eltern sollten sich möglichst oft darüber austauschen, was sie am Kind beobachten – und wie sie den Rahmen so gestalten können, dass das Kind auf das Leben vorbereitet wird und die Freude an Herausforderungen behält.
Passt diese Antwort für Dich, liebe Steffi?
Alles Liebe
Hans-Jürgen


Hallo Anja, 

hallo liebe Blog-Community,

vielen Dank für das rege Interesse und die wirklich spannenden Fragen. Es hat mir echt Freude bereitet, Euch dazu meine Gedanken und Erfahrungen mitzugeben. Elternsein gehört zu den schönsten Aufgaben des Lebens – und ist zugleich eine der herausforderndsten Angelegenheiten auch für die Partnerschaft. Bitte denkt immer, wenn es gerade besonders schwer fällt, an das alte Ehepaar, welches zu seiner diamantenen Hochzeit in meinem Buch zu Wort kommen kann: das Geheimnis der Liebe besteht zu einem großen Teil an der Einstellung zu Dingen, die gerade Schwierigkeiten machen: man kann sie dann geduldig und aufmerksam von allen Seiten betrachten und liebevoll zu reparieren versuchen – oder man kann sie einfach wegschmeissen und ersetzen durch etwas Neues.

Wenn eine Paarbeziehung dennoch scheitert, was schon mal vorkommen kann, dann darf keinesfalls darauf vergessen werden, dass das Band der Elternschaft durch keinen Richter der Welt getrennt werden kann und darf. Das kann schwierig werden, wenn man dem ehemaligen Partner, der einen so enttäuscht hat, nun noch zumuten soll, für das Kind auch weiterhin die Welt sein zu dürfen. Mit ein wenig Arbeit kann das aber gelingen – und ist für alle Beteiligten enorm erleichternd.

Habt Freude am Elternsein! Und wenn mein Buch dabei ein wenig helfen kann, dann freut mich das enorm.

Alles Liebe

Hans-Jürgen

 

Ehekrach

– Ja! –
– Nein! –
– Wer ist schuld?
Du! –
– Himmeldonnerwetter, laß mich in Ruh! –
– Du hast Tante Klara vorgeschlagen!
Du läßt dir von keinem Menschen was sagen!
Du hast immer solche Rosinen!
Du willst bloß, ich soll verdienen, verdienen –
Du hörst nie. Ich red dir gut zu…..
Wer ist schuld? –
– Du! –

– Nein. –
– Ja. –

– Wer hat den Kindern das Rodeln verboten?
Wer schimpft den ganzen Tag nach Noten?
Wessen Hemden muß ich stopfen und plätten?
Wem passen wieder nicht die Betten?
Wen muß man vorn und hinten bedienen?
Wer dreht sich um nach allen Blondinen?
Du! –

– Nein. –
– Ja. –
– Wem ich das erzähle…!
Ob mir das einer glaubt! –

– Und überhaupt! –
– Und überhaupt! –
– Und überhaupt! –

Ihr meint kein Wort von dem, was ihr sagt:
Ihr wißt nicht, was euch beide plagt.
Was ist der Nagel jeder Ehe?
Zu langes Zusammensein und zu große Nähe.

Menschen sind einsam. Suchen den andern.
Prallen zurück, wollen weiter wandern…
Bleiben schließlich … Diese Resignation:
Das ist die Ehe. Wird sie euch monoton?
Zankt euch nicht und versöhnt euch nicht:
Zeigt euch ein Kameradschaftsgesicht
und macht das Gesicht für den bösen Streit
lieber, wenn ihr alleine seid.

Gebt Ruhe, ihr Guten! Haltet still.
Jahre binden, auch wenn man nicht will.
Das ist schwer: ein Leben zu zwein.
Nur eins ist noch schwerer: einsam sein.

Kurt Tucholsky

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