Eltern haften an ihren Kindern

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Bildrechte und Inhaltsangabe: Ullsteinbuchverlage.de

 

Kinder nötigen einen zur Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen des Daseins: Wer bin ich? Wer hat die Erde gemacht? Warum sind nur die eigenen Pupse lustig? In seinem Buch geht der Kabarettist und dreifache Vater Martin Zingsheim vielen wichtigen Themen mit Kindermaßstäben auf den Grund: von Sprache und Religion bis Pizza und Pauschalreisen. Ein satirisches Hohelied auf den chaotischen Zauber, den die Winzlinge ins Leben pseudokompetenter Erwachsener bringen.

Infos über den Autor:

Martin Zingsheim studierte Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Philosophie in Köln. Von 2006 bis 2010 arbeitete er als Pianist, Darsteller und Sänger sowie Komponist. Seit 2011 tritt er mit diversen Solo-Programmen auf. Zuletzt erhielt er 2015 den Deutschen Kleinkunstpreis (Förderpreis) und 2016 den Salzburger Stier.

Meine Buchbewertung:

Zum Glück dauerte das Vorwort des Buches keine 40 Wochen, so wie die Schwangerschaft seiner Meinung nach das Vorwort einer Geburt sei.

Als Zweifachmama war ich gespannt auf die Geschichten des Dreifachvaters.

Kinderzeichnungen schmücken das Buch. Das macht es sehr persönlich und symphatisch.

Passende Zitate zu den Themen hat Martin auch immer parat. Sehr lustig.

»Und was ist das, mein Schatz?«
»Totodiiehl.«
»Jaaa, genau, ein Krokodil!«

Der heisst bei uns im Alter von 2,5 Jahren noch Kokadil.

Es ist schön für mich als Leserin und Mutter einige Paralellen zu entdecken und mit Humor nickend und lächelnd das Buch zu verschlingen.

Seine Kinder wachsen zweisprachig auf: polnosch – deutsch. Es folgen einige lustige Anekdoten, die mit Sprache und Wortwitz zu tun haben.

Insbesondere die erstgeborenen Prinzessinnen und Prinzen beginnen nämlich augenblicklich damit, kleinere Brüder und Schwestern mit zu erziehen, und imitieren dabei ziemlich wortgetreu das parentale Geschwafel, dem sie selbst seit Jahren hilflos ausgesetzt sind. Unweigerlich fragt man sich als Vater: »O mein Gott, bin das ich? Klinge ich wirklich so? Nein, nein, das muss er von seiner Mutter haben! Ich würde doch niemals …!«

Oh ja. Das macht unser Räuber mit seinen 4 auch schon. Herrlich daran erinnert zu werden…

Warum also nicht ein wenig mehr Gelassenheit, ein bisschen weniger Leistungshype? Schließlich kommen viele Eltern die meisten Klettergerüste und Piratenholzschiffleitern auf deutschen Spielplätzen selbst kaum hoch.

Das sollten sich viele Eltern einfach mal merken. Vielleicht lass ich mal einen entsprechenden Spruch auf dem nächsten Spielplatz fallen, falls solch eine Situation auftritt.

Im Zweifel halten die kleinen Kommunikationsprofis es mühelos aus, das Fragewort »warum« dreihundert Mal hintereinander zu benutzen. Am Ende liegen Sie als Elternteilchen mental wie auch körperlich am Boden und sind mit Ihrer Überzeugungsarbeit keinen Schritt weiter. Kinder verwenden das Wörtchen »warum« als eine Art sprachliche Selbstverteidigung und äußerst strategisch. Erwachsene benutzen es dagegen viel zu selten.

WARUM?

An manchen Tagen macht mich das auch völlig fertig. Gerade auch, weil die Kleine sieht, dass der Große so viel fragt und so viel Antworten bekommt – damit auch Aufmerksamkeit – und das will sie ja schliesslich auch.

Also fragen mich beide manchmal Löcher in den Bauch. Aber dazu folgt bestimmt noch ein extra Blogbeitrag.

Martin teilt seine Gedanken zu Ernährung und Kindern mit.

Schlaf sieht er als eine Art Geschenk. Sowohl bei den Kindern als auch bei sich.

Mein Lieblingssatz in dem Buch ist folgender:

Darüber hinaus finde ich es irgendwie beruhigend, dass meine noch recht kleinen Kinder – hat man sie erst einmal sanft gebettet und sich singend Richtung Wohnzimmer verabschiedet – anscheinend so viel sicheres Geborgenheitsgefühl und zuversichtliche Selbstsicherheit ihr Eigen nennen, dass sie sich in aller Regel für die nächsten zwölf Stunden einfach ins Träumeland verkrümeln.

Denn genau so sehe ich es auch. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder uns Eltern vertrauen und sich geborgen fühlen. Die nächtliche „Trennung“ durch das eigene Bettchen würde nicht so super funktionieren, wenn das nicht vorhanden wäre.

Über das Thema Familienbett und 10 Gründe warum jeder bei uns im eigenen Bettchen schläft habe ich in der Vergangenheit schon mal berichtet. Lies einfach bei Familienbett – alles nett, oder? nach.

Mir gefällt gut, dass er nicht nur auf sein Familienleben eigeht, sonder´n auch sein Beruf und das Politgeschehen in das Bcuh einfliessen läßt.

Jeden Abend ein »So, jetzt vertragen wir uns mal wieder, schlaf schön, mein Schatz, ich hab dich lieb« ist außerhalb der eigenen vier Wände augenscheinlich deutlich schwieriger zu erlangen.

Das wär doch schön jeden Abend von z. B. Donald Trump ab sofort hören zu können.

Der Autor nimmt noch Stellung zu Genderklischees, Urlaubserlebnissen und Kindern Grenzen setzen.

Grenze wertzuschätzen bedeutet innerfamiliär wie territorial eben nicht, angstgesteuert auf alles loszuballern, was draußen ist, sondern dass es Werte gibt, die nicht verhandelbar sind, die nicht zur Disposition stehen, die eine tatsächliche Grenze darstellen.

Das ist ein wichtiges Thema in der Kinderbegleitung, wie man mit Kidnern verhandelt und das es wichtig ist, zu tun. Wen das mehr interessiert kann gern meinen Beitrag über meine Gedanken zur Kinderbegleitung lesen.

Fazit:

Alles in allem ein gelungenes Buch mit einem Punktabzug für manch Mammutsätze und Fremdwortattacken vom Feinsten. Das hemmte meinen Lesefluß zwischendurch sehr.

Vielen Dank an die Ullsteinbuchverlage und Netgalley.de für das kostenfreie Rezensionsexemplar.

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