Die Wiederentdeckung der Kindheit – Wie wir unsere #Kinder glücklich und lebenstüchtig machen @presse_gtvh

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Bildrechte und Inhaltsangabe: Randomhouse.de

Die Wiederentdeckung der Kindheit Wie wir unsere Kinder glücklich und lebenstüchtig machen

»Gebt den Kindern ihre Kindheit zurück!«
(Michael Winterhoff)

Alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste. Es soll eine glückliche, unbelastete Kindheit haben, in der es Freiräume erobern und eigene Erfahrungen machen darf. Ich kenne keine einzige Mutter und keinen einzigen Vater, der das nicht sofort unterschreiben würde. Niemand will sein Kind so fest an sich binden, dass es ein Leben lang unselbstständig bleibt. Niemand will zum Juristen seines Kindes mutieren, der sofort mit Klage droht, sobald in der Schule mal ein Problem auftaucht. Und niemand will sein Kind durch Förderwahn ganz rappelig machen.
Trotzdem ist genau das die Welt, in der Kinder heute groß werden.
Materiell mag es Kindern heute außerordentlich gut gehen. Doch die Vorstellung, dass die heutige Gesellschaft den Kindern beste Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen bietet, ist definitiv falsch.

Indem wir uns unseren Kindern gegenüber auf eine Art und Weise verhalten, die das Wachstum ihrer Psyche über ein bestimmtes Stadium hinaus unmöglich macht, verurteilen wir sie dazu, ewig Kleinkind zu bleiben. Auch wenn es paradox erscheinen mag: Damit schenken wir ihnen keine wunderbare Kindheit, sondern wir nehmen sie ihnen.

Michael Winterhoff zeigt, wie wir Erwachsenen – Eltern, Erzieher und Lehrer – Kindern wieder eine Kindheit schenken können, die ihren Namen auch verdient. Unbeschwertheit, Freiheit und Fürsorge gehören unbedingt mit dazu, wenn wir unsere Kinder in Zukunft wieder fit machen wollen für ein selbstbestimmtes und erfolgreiches Leben.

  • Beziehungslust statt Erziehungsfrust
  • Ein Mutmachbuch für Eltern, Lehrer und Erzieher
  • Mit zahlreichen positiven Beispielen aus der Praxis
  • Alexander (*1995) und Luis (*2016) begleiten den Leser durch das Buch

Über den Autor:

Michael Winterhoff, geboren 1955, ist Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut. Er studierte Humanmedizin in Bonn und betreibt dort seit 1988 eine eigene Praxis. Als Sozialpsychiater ist der anerkannte Facharzt auch im Bereich der Jugendhilfe tätig. Dr. Michael Winterhoff, geb. 1955, verheiratet, zwei Kinder, lebt und arbeitet in Bonn.

Schon mit seinem Bestseller „Warum unsere Kinder Tyrannen werden. Oder: Die Abschaffung der Kindheit“ hat Winterhoff eine grundlegende gesellschaftliche Debatte losgetreten. In bislang vier Bestsellern analysiert er die schwer wiegenden Folgen veränderter Eltern-Kind-Beziehungen für die psychische Reifeentwicklung junger Menschen und bietet Wege aus den durch die Reifedefizite verursachten Beziehungsstörungen an. Seine ersten „Tyrannen“-Bücher erreichten 2008 und 2009 zwischenzeitig Platz 1 und 2 der Spiegel-Bestseller-Listen.

Nach dem Studium der Humanmedizin ließ Michael Winterhoff sich 1988 in Bonn mit einer eigenen Praxis als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie nieder. Als Sozialpsychiater hat er sich darüber hinaus im Bereich der Jugendhilfe einen Namen gemacht. Er ist Initiator eines Kinderheimes.

Die überraschenden und aufrüttelnden Ergebnisse seiner Analysen machen Winterhoff zu einem gefragten Gesprächspartner und Experten in Zeiten, in welchen viele Menschen im Alltag, aber auch Politiker und Intellektuelle sich wieder auf die zentralen Werte Familie, Kinder und Erziehung besinnen und das Ausmaß gesellschaftlicher Fehlentwicklungen immer klarer zu Tage tritt.

Meine Buchbewertung:

Ich bin selbst als Ende 70er Geborene in den 90ern aufgewachsen.

So kann ich viele Beispiele im Buch aus eigener Erfahrung und Erinnerung betrachten und mit den heutigen vergleichen.

Herr Winterhoff hatte die tolle Idee, die Beispiele mit Pseudo-Kindern zu schildern. So weiss man immer wer gerade gemeint ist und von welchem Jahr gerade gesprochen wird.

Während Alexa sich noch problemlos auf den rechten Stuhl gesetzt hat, sieht es 2017 ganz anders aus. Es ist fast schon wie ein Naturgesetz: Ein Drittel der Kinder landet auf dem linken Stuhl, ein Drittel fragt: »Den hier?«, und das letzte Drittel macht irgendwas anderes, nur nicht sich setzen.

Mich hat es irgendwie gewundert und ein bisschen erschreckt, dass sich wirklich so viel in den 30 Jahren in den Verhaltensweisen der Kinder und natürlich auch den Eltern getan und verändert hat.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern. Wir versammelten uns mit den Nachbarskindern und Schulfreunden auf einem Spielplatz. Dann wurde ein Spiel ausgedacht: Mal spielten wir Ponyhof, mal befanden wir uns im Zirkus oder erlebten sonstige Abenteuer mit den Rollschuhen auf den Nebenstraßen im Ort.

Unsere Kinder haben das Glück wieder in einem kleineren Ort am Ortsrand aufzuwachsen.

Sie dürfen draussen spielen, aufs Feld rennen, mit den Rädern die unbefahrene Straße hin und herfahren. Und sie tun sich wieder mit Nachbarskindern zusammen.

Das ist schön anzuschauen und freut mich sehr.

Aber wenn ich dann Folgendes lese, schmerzt mir mein Herz:

Bis auf wenige Ausnahmen erleben Kinder heute eine Indoor-Kindheit, Soziologen sprechen auch von einer »verinselten Kindheit«. Was ist da los? Ist es für Luis und Luisa besser geworden? Schlechter? Fehlt ihnen etwas? Wenn wir unseren Kindern eine »schöne Kindheit« bieten wollen, dann müssen wir uns erst einmal einig sein, wovon die Rede ist: Was ist eigentlich Kindheit?

Ich kann leider ein Beispiel aus dem Kindergarten des Sohnes erzählen:

Er hat ein Riesenzimmer und ein Fernseher darin. Er kann willkürlich anschauen was er will und so lange er will – mit 5 Jahren.

Mein Sohn war dort zu Besuch und kam heim mit lauter Geschichten aus der Flimmerkiste. Und so viel Süßes hätten sie gegessen. Das war ja ganz toll, laut meinem Großen.

Ja, vielleicht mal einen Nachmittag. Aber ich durfte ihn dann abends besänftigen und die ganzen komischen Figuren aus seiner Fantasie ausräumen.

Viele zu viel eigene Entscheidungen zu treffen in dem Alter ist laut dem Autor nicht gut für die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Sie seien überfordert und brauchen noch ein paar Hilfestellungen und jemanden, der ihnen so manche Entscheidung einfach abnimmt.

Der Große zum Beispiel zieht sich morgens schon ganz alleine an und wählt seine Klamotten selbst aus. Er fragt mich nur abundzu ob Lang- oder Kurzarm, je nach Wetter. Das klappt sehr gut. Er macht mir auch nicht den Eindruck der Überforderung, sondern er ist stolz das selbst und allein getan zu haben.

Die Kleine ist da etwas schwieriger. Ihr biete ich 2 Auswahlmöglichkeiten an, denn sonst wären wir bis Mittags nich nicht aus dem Haus 😉

Bei der Essensauswahl entscheide ich allein, was auf den Tisch kommt. Vielleicht frage ich mal zwischendurch was die beiden gern mal wieder essen würden. Aber wann es dies dann letztendlich gibt, bleibt offen.

Bei uns gibt es Mittags zu Hause Freispiel. Da darf jeder machen was er möchte. Im Kindergarten gibt es auch viel Freispielmöglichkeiten. Aber das finde ich gut, wenn es nicht ausschliesslich angeboten wird. Es passiert auch viel Programm.

 

Vierjährige können Streitigkeiten nur mit viel Übung und in Anwesenheit eines Erwachsenen untereinander schlichten. Doch an beidem fehlt es. Es ist ja nicht vorgesehen, dass Erzieherinnen einschreiten und den Kindern immer wieder die Regeln erklären und ins Gedächtnis rufen. Genau das wäre im Kindergartenalter für die Psyche der Kinder aber »dran«, denn es braucht viele, viele Schleifen bis ins Teenageralter hinein, bis ein sozialverträgliches Verhalten zuverlässig eingeübt ist. Wenn Luis mit vier Jahren nicht akzeptiert, dass der dringend benötigte rote Baustein schon vergeben ist, dann wird er es – ohne dass er von einem Erwachsenen an die Hand genommen wird – auch nicht mit sechs Jahren tun. Von allein kommt das nicht.

Das fand ich eine wichtige Erkenntnis aus dem Buch. Denn oft steht man dabei und fragt sich, ob man eingreifen soll als Erwachsener oder die Kinder das alleine regeln sollen.

Auch das Thema „Helikopter-Eltern“ kommt im dem Buch nicht zu kurz.

Helikopter-Eltern – das sind immer die anderen. Doch alle Eltern wollen für ihr Kind das Beste.

Bald habe ich da einen weiteren Buchtipp über lustige und teilweise erschreckende Beispiele von Helikopter-Eltern für euch.

 

Wichtig fand ich auch das Kapitel über die Medienkompetenz. Meist spricht man nur von den Kindern, dabei sind es die Erwachsenen, die den Kindern ein denkbar schlechtes Vorbild liefern und es ihnen durch ihre Gleichgültigkeit überhaupt erst ermöglichen, dass sie sich über Stunden im Netz verlieren.

Fazit:

Ein abwechslungsreiches und augenöffnendes Buch


Vielen Dank an das Gütersloher Verlagshaus und dem Bloggerportal für das kostenfreie Rezensionsexemplar.

2 Kommentare

  1. Ich gebe Dir in allem recht. Ich denke jedoch, dass das Problem heute ist, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten gehen sollen / müssen (oft reicht ein Gehalt nicht mehr im Gegensatz zu früher) und einfach keine richtige Familienzeit mehr vorgesehen ist. Es mag sein, dass man denkt, man hat diesbezüglich die Wahl, jedoch wird ersichtlich, dass wir nicht die Wahl haben. Denn wenn wir nicht arbeiten gehen, sind wir bei einer Trennung schlimmsten Falls auf Hartz-4 angewiesen, denn Unterhalt für den erziehenden Elternteil wurde mit der Änderung des Unterhaltsgesetz 2008 abgeschafft! Care-Arbeit (Kindererziehung und Pflege von Angehörigen) muss sichtbar werden, daher rufe ich ab Sonntag, 12.11.17 einmal wöchentlich zum Netzprotest auf unter #carearbeitmusssichtbarwerden. Gerne dürfen zu dem Thema auch Blogartikel verfasst werden und bei mir der Link dazu gepostet werden.

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