#writingfriday oder was denkt ein Obdachloser von den vorbeilaufenden Menschen?

img_4522.jpgEs ist wieder Writing friday

Die Regeln dazu kannst du dir gern bei elizzy auf dem Blog ansehen und selbst mitmachen.

Von den Schreibthemen im März habe ich mir heute dies ausgesucht:

Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.


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Bildrechte: Pixabay.com

Obdachlos

Ein kühles Lüftchen macht ihn wach,
als Morgengruß ein Vogel singt,
sein Unterschlupf ist ohne Dach,
ins Erdloch feuchter Nebel dringt.

Verkrampft und fröstelnd döst er weiter,
sein krankes Hündchen jault und weint,
ist seit Jahren sein Begleiter,
auf Schritt und Tritt mit ihm vereint.

Der Obdachlose rafft sich auf,
und trippelt Richtung Innenstadt,
das hungrig sein nimmt er in Kauf,
wartet – wer etwas übrig hat.

© Horst Rehmann (*1943)

Mensch, die Nacht auf dem harten Boden bei den beschissenen Temperaturen war wieder voll übel.

Schon kurz vor der Morgendämmerung kommen die ersten Menschen im Businessanzug vorbei.

Boah, zieht der ne Fresse!

Der hat doch bestimmt in seinem weichen Federkissenbett geschlafen und Kaviar gefrühstückt – der müsste doch eigentlich glücklich sein.

Pah – und der nächste mit glänzigen Schuhe einer teuren Herrenausstattermarke. Kaffee to go in der Hand und keine Zeit.

Huiuiui, die Dame hier riecht aber sehr aufdringlich.

Ach, geht die Schule endlich los. Da brauche ich gar keine Uhr. Anhand der Menschen weiss ich ungefähr wie spät es gerade ist…

Die vielen Kinder nerven. HAUT AB!

Schau an, die Muttis haben auch schon Ausgang bekommen. Plärrende Babys im Wagen und tratschende Weiber dahinter. Kommt, macht dass ihr weiterkommt.

Langsam fäng es an aus den Seitenstraßen nach Mittagessen und Braten zu riechen. Auch die Pommesbude ums Eck könnte mal wieder neues Fett vertragen. Das muffelt schon extrem. Macht aber auch höllischen Hunger.

Denn schon bald laufen nur noch Leute mit Essbarem in der Hand an mir vorbei.

Frechheit.

Och nöööö, die Schule ist aus. Lauter Kinder mit Bewegungsdrang stolpern hier rum. Kreisch, Blöök.

Ich hasse meinen Job hier.

3,50 Euro ist ein schlechter Tagesverdienst heute. Also, immer schön lächeln, sach ich mir in Gedanken. Des reicht grad mal für ein paar warme Gedanken.

Meine Hoffnung liegt bei den Feierabendshoppern. Gleich kommen die….

Ha, gerade habe ich einen warmen Kaffee in die Hand gedrückt bekommen. Welch ein großes Herz: „Dankeeee!“ ruf ich ihr hinterher.

Bald wird es dunkel und ich bin fast allein hier. Heute schlafe ich aber wieder auf einer Bank oder in einem Vorraum eines Ladengeschäfts.

Gute Nacht.

4 Kommentare

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