#Weltkrebstag #worldcancerday – was geht mich das an?

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Heute ist Welt-Krebstag.

Ein wichtiger Tag um über die Krankheit zu Informieren und Aufzuklären. Danach wurde mein dieswöchiges #Wochenmotto ausgewählt.

Meine Operation ist jetzt 10 Jahre her.

Als gesunde und junge Frau von Anfang 20 machte ich mir doch keinen Kopf über Krebs.

Das kriegen doch nur alte Menschen, oder Leute die Rauchen oder Trinken.

Denkste. Ich wurde eines Besseren belehrt.

Bei einer jährlichen Routine Krebsvorsorge beim Frauenarzt wurde bei einem Abstrich ein auffälliges Ergebnis (Pap IIID) festgestellt.

Die jährliche Krebs-Früherkennungsuntersuchung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane steht allen gesetzlich versicherten Frauen ab dem 20. Lebensjahr zur Verfügung. Neben der Tastuntersuchung entnimmt der Arzt bei der Abstrichuntersuchung (PAP-Test) Zellen des Gebärmutterhalses, um diese auf Veränderungen hin untersuchen zu lassen. Der PAP-Test soll Zellveränderungen erkennen, die gegebenenfalls operativ entfernt werden müssen. Dadurch soll erreicht werden, dass weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und infolgedessen auch weniger Frauen daran sterben. Quelle: Deutsche Krebshilfe e. V.

Gehst du regelmäßig zur Krebsvorsorge?

Das Ergebnis Pap IIID war eigentlich kein Ergebnis. Denn es stiftete nur Unruhe.

Ein Pap IIID unterscheidet sich deutlich von einem Pap III: Hier liegen leichte bis mittelschwere Veränderungen der Schleimhautzellen vor, also eindeutige Dysplasien. Daher ist der Befund mit dem Buchstaben D gekennzeichnet. Pap IIID heißt aber auch: Noch liegt keine Krebserkrankung vor, die Zellveränderungen können sich immer noch von alleine zurückbilden. Es bleibt aber ein Risiko, dass sich die Vorstufen zu einem bösartigen Tumor entwickeln. Quelle: Krebsinformationsdienst.de

So, da hatte ich meine Diagnose. Konnte sein, dass da was bösartiges in mir war – konnte aber auch sein, dass es sich von allein zurückbilden würde.

Jetzt hieß es: WARTEN!

Wochenlang machte ich mir Gedanken darüber, was ist wenn da was Bösartiges in mir war?

„Ach, wird schon nichts sein. Hab ja schliesslich keine Schmerzen oder Blutungen.“

Und so verging Monat für Monat. Meine Sorgen waren fast vergessen.

Wieder ging ich rountinemäßig zur Untersuchung beim Frauenarzt.

Diesmal bekam ich beim Abstrich kein besseres Ergebnis:

Wieder PAPIIID.

Mir wurde empfohlen einen HPV-Test zu machen.

Mit einem HPV-Test lassen sich die Viren in Zellen des Gebärmutterhalses nachweisen. Dieser Abstrich-Test gibt eine prozentuale Wahrscheinlichkeit an, ein „high-risk“ von bösartigen Zellveränderungen zu haben.

Ich hatte eine 70/30 Wahrscheinlichkeit und man riet mir zur OP.

Langsam wollte ich nicht mehr WARTEN.

Warten bis es schlimmer wird und es für eine Familienplanung zu spät ist?

Also ließ ich mich operieren – Konisation.

Da wurde eine hauchdünne Scheibe meines Gebärmutterhalses mit einem Skalpell weggenommen und untersucht.

In den meisten Fällen ist die Durchführung einer Konisation ein therapeutischer Eingriff, so dass das gesamte betroffene Areal entfernt wird. Zu beachten ist jedoch, dass bei ungefähr 10-15% aller Operationen nicht das gesamte dysplastische Gewebe entfernt wird. Dies ist nicht die Schuld des Operateurs, sondern ist der Operationsmethode an sich anzulasten. Bei der Konisation wird versucht, nur so wenig wie nötig Gewebe zu entfernen. Bei der Operation kann nur das mit freiem Auge sichtbar veränderte Gewebe entfernt werden. Bei der feingeweblichen Untersuchung unter dem Mikroskop durch den Pathologen kann es sein, dass dieses veränderte Gewebe bis an den Rand des entfernten Gewebes reicht. Je nach dem vorliegenden Befund bzw. auch nach dem Ergebnis der Ausschabung ist das weitere Vorgehen festzulegen. In den meisten Fällen ist es völlig ausreichend, klinische und Abstrichkontrollen in 3- bis 4-monatigen Abständen über zwei Jahre durchzuführen. Nur in sehr seltenen Fällen ist unmittelbar nach der Operation eine neuerliche Operation notwendig. Quelle:www.konisation.at

Nach der ersten OP kam die erste Visite.

Mir wurde genau das mitgeteilt, wie es oben in der Quelle von konisation.at geschrieben steht. Ich gehörte zu den 10-15 % bei der das veränderte Gewebe bis an den Rand des entfernten Gewebes reichte.

Jetzt erst wurde mir so richtig bewusst was mit mir los war!

Ja, es waren bösartige HPV Viren in meinem Gebärmutterhals.

Ja, es war gut diese entfernen  zu lassen.

Ja, aber noch mal warten und die Ungewissheit ob alles entfernt wurde?

Nein, ich wollte nicht noch länger warten.

Ich machte mich unglaublich verrückt. Es fand ein regelrechtes Gefühlschaos in mir statt.

Mußte ich mir um unsere Familienplanung doch Sorgen machen?

Mußte ich mir um unser Sexualleben Sorgen machen?

Mein damaliger Freund und jetziger Ehemann gab mir Vertrauen und der Rest meiner Familie war für mich da. Das gab mir den Halt das Durchzustehen.

Ich wollte doch Kinder haben!!! Zwei, mindestens!! Die Zeit rannte uns davon…

Eine zweite OP war nötig und ich ließ sie wenige Monate nach der ersten durchführen.

Die Ärzte mußten erneute eine Scheibe vom Gebärmutterhals abschneiden und waren sich sicher kein verändertes Gewebe am Rand mehr entdeckt zu haben.

Auch wenn das veränderte Gewebe vollständig entfernt wurde, kann es sein, dass ein auffälliger PAP- Abstrich und eine Zervixdysplasie wieder auftritt. Daher sind in regelmäßigen Abständen Kontrollen beim Frauenarzt notwendig. Die Durchführung eines HPV-Tests hilft, das Risiko für die neuerliche Entstehung einer Dysplasie besser abzuschätzen. Quelle: konisation.at

Die Heilung der pysischen und psychischen Wunden dauerte mehrere Monate. Mehrere Jahre mußte ich halbjährlich zur Nachkontrolle.

Toitoitoi…Bis heute ist keine neue Dysplasie zum Vorschein gekommen.

Mach mit:

#kissCancerGoodbye

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Allerdings bedeutete die zweite OP auch erschwerte Bedingungen für eine Schwangerschaft. Wir nahmen es so schnell wie möglich in Angriff. Die ganze Sache hatte uns zusammengeschweist und wir waren uns sicher, es gäbe nichts schöneres als eine Mischung aus uns beiden im Arm halten zu dürfen.

Aber nichts passierte!

Der Frauenarzt, ein Oberarzt der Klinik und ein Operateur meiner Bauchspiegelung prophezeiten mir eine kinderlose Zukunft. Der Gebärmutterhals sei sehr stark vernarbt, so dass kaum Sperma den Weg durchbrechen könne und falls doch bestünde durch den inzwischen extrem kurzen Gebärmutterhals ein erhöhtes Frühgeburtenrisiko.

Es brach eine Welt für mich zusammen! Das durfte nicht wahr sein!

Nach vier Jahren hielt ich am Weihnachtstag überraschenderweise ein positiven Test in der Hand. Es war irgendwie unwirklich, hatten wir es uns doch so sehr gewünscht. Mein Freund glaubte an einen Scherz von mir!

Jippie! Jetzt wird alles gut!

Mein Frauenarzt bestätigte noch zwischen den Jahren die Schwangerschaft und ich konnte einen pochenden Punkt auf dem Ultraschallgerät erkennen…

Puh, Tränen wegwischen….

Denn die Freude hielt nicht lange. Mitte Januar 2008 hatte ich eine Blutung. Kann ja mal vorkommen in einer Frühschwangerschaft. Ich ließ es am gleichen Tag noch vom Arzt anschauen.

Es war nur noch die Fruchthöhle zu erkennen. Unser Pünktchen hatte uns bereits wieder verlassen..

Liebes Pünktchen, du warst zwar nur kurz bei uns, aber du hast uns Hoffnung auf eine Zukunft mit einem Baby gemacht. Dafür danke ich dir ganz doll. Du bist immer in meinem Herzen!

Ich schrieb auch vor kurzem einen Brief an das Pünktchen. Zum Lesen der Erinnerungen an mein Sternchen hier klicken.

Im selben Jahr heirateten wir – in der voraussichtlichen Geburtswoche des Pünktchens.

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Eine Weile probierten wir noch gezielt auf natürlichem Wege ein Baby zu bekommen. Irgenwann verloren wir die Zuversicht und lebten ganz für uns – schöne Reisen mit den Motorrädern, neue Arbeitsstelle usw.

Die Blogparade #Planänderung wurde am 4.3.2015 hier verlinkt.

Dann 2012 kam unser Wunder Nr. 2 auf die Welt. 2014 durften wir uns noch auf Wunder  Nr. 3  freuen. Wer hätte  das gedacht? Wir am wenigsten. Es ist sooo unbeschreiblich schön die beiden um mich zu haben!

Darüber bin ich unendlich dankbar. Als ich die Blogparade über Dankbarkeit am 8.2.2015 entdeckte, fand ich diesen Beitrag sehr passend dafür.

Es ist wichtig frühzeitig an die Krebsvorsorge zu denken!

Wenn ihr ein Mädchen habt wie ich, klärt sie frühzeitig darüber auf, nur eine Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr ist wirksam gegen die meisten HPV Viren. Zusätzliche Vorsorgetermine beim Frauenarzt sind ebenfalls sehr wichtig.

Wenn ihr ein Jungen habt wie ich, klärt ihn frühzeitig darüber auf, nur ein Kondom schützt vor den HPV Viren.

Ich versprech euch, ich werde es tun!

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34 Kommentare

  1. Ich habe deinen Bericht vor einigen Tagen schon einmal gelesen und war sprachlos. Doch ganz unkommentiert will ich ihn nicht lassen, er ist zutiefst berührend geschrieben und ich hatte beide Male beim Lesen richtige Gänsehaut. Und so schlimm das alles gewesen sein muss, er macht trotzdem Mut und Hoffnung und es freut mich wirklich sehr für Euch, dass es letztendlich mit dem Kinderkriegen doch „geklappt“ hat. Danke für diesen ehrlichen und bewegenden Post!
    LG

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    • Lieben Dank für deinen herzlichen Kommentar.

      Meine Motivation mit diesem Beitrag war es über die Krankheit aufzuklären und zu informieren – dann wurde es doch persönlich.

      Lg

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  2. Liebe Anja,
    Jetzt musste ich weinen. Ich lasse alle zwei Jahre den HPV Abstrich machen seit meinem 25. Lebensjahr schon. Bis jetzt war immer alles in Ordnung. Es tut mir so leid wie schlimm diese Zeit für euch sein musste. Um so schöner, dass ihr zwei gesunde kleine Menschlein habt, dir eure Träume erfüllt haben.
    Ich drück dich ganz fest und danke dir, dass du mir diesen Artikel gezeigt hast.

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    • Liebe Dani,

      ♡ Dank für deine rührenden Worte.

      Es freut mich das du regelmäßig zur Vorsorge gehst. So können schnell Veränderungen festgestellt werden.

      Über meine zwei Sonnenscheine bin ich sehr dankbar ☺

      Lg

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  3. Ja, die Konisation hatte ich auch, aber nach einem halben Jahr war auch schon die Gebärmutter befallen und man riet mir zur Total OP, was ich auch tat, denn ich hatte schon zwei gesunde Kinder und war aus dem gebärfähigen Alter raus.
    Zum Glück gibt es heute für die Mädels eine Impfung.

    Alles Liebe ❤ Mathilda

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    • Vielen Dank für deine Schilderungen.

      Zum Glück war deine Familienplanung abgeschlossen.

      Es war sicherlich trotzdem ein schwerer emotionaler und gesundheitlicher Weg.

      Ich freue mich auch über die tolle Krebsforschung, die diese Impfung möglich macht.

      Lg

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  4. Ich rate vor OP zu einer Zweitmeinung! Auch bei mir gab es noch Kinderwunsch und ich fand es etwas seltsam, dass das Labor, das die Ergebnisse meiner Frauenärztin prüft, „zufällig“ demsben Arzt gehört, der dann genauer untersucht und zur Konisation rät, die dann in der Praxis seiner Frau stattfinden sollte.
    Ich bin übrigens trotz Impfung nach vorigem negativen Abstrich angeblich HPV positiv. Konnte mir auch noch niemand erklären… Zweiter Arzt untersucht und kann weder HPV noch Notwendigkeit zur OP erkennen…
    Lässt Euch nicht verrückt machen, 7 Jahre lang ist eine Besserung ohne OP möglich! Und es gibt mittlerweile sehr genaue Tests, die sich nicht nur auf Wahrscheinlichkeit stützen.

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    • Liebe Christine,

      es freut mich sehr, dass es, so wie ich lese, bei dir schon 7 Jahre bei einem niedrigen PAP-Wert bleibt und es keine weiteren Behandlungen bedarf.

      Es stimmt, der HPV-Test gibt nur ein high-risk in Prozenten an.

      Aber den macht man normalerweise nicht bei einem „gesunden“ Abstrich, oder?

      Bei PAP I – III hätte ich mich auch nicht operieren lassen.

      Da ich familiär krebsvorbelastet bin und nicht mehr länger in der Ungewissheit leben wollte – gerade wegen dem Kinderwunsch!!! – habe ich mich für die OP entschieden.

      In meinem Fall war es richtig – auch die Folge OP.

      Eine Zweitmeinung im Zweifel einzuholen ist bestimmt nicht verkehrt, aber die Entscheidung für oder gegen eine OP zu treffen kann nur jeder für sich selbst.

      Sicher ist: Ab einem PAP-Wert von IIId und höher sind krebsartige Viren nicht mehr auszuschliessen und sollte in kürzeren Abständen beobachtet werden.

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      • Die familiäre Vorbelastung gibt es bei mir auch, ich bin auch voll für regelmäßige Überwachung zur Früherkennung (Vorsorge ist da auch ein irreführenden Wort)! Dass OPs sinnvoll und nötig sein können steht auch außer Frage, ich wollte nur auf die Möglichkeit von Fehldiagnosen hinweisen und ein bisschen zur Entspannung aufrufen statt zur Panik… Das ist keine Kritik an Dir oder Deiner Entscheidung!
        Schon allein die Probenentnahme mittels diesem Knipser ist total doof-denn wenn veränderte Zellen da sind, werden sie durch diese Methode garantiert in tiefere Gewebeschichten „geschmiert“. Hier ist dringend Risiko-Aufklärung schon vor und in der Diagnostik vonnöten. Viele Praxen scheinen da zu gewinnorientiert statt patientenorientiert unterwegs zu sein.

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      • So hab ich das auch verstanden 😃 liebe Christine.

        aber lieb das du dich noch mal meldest.

        Wünsch dir weiterhin alles Gute und freu mich über deine Besuche hier im Blog.

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